Die ORF-Diskussionsveranstaltung „Ein Ort am Wort“ in Axams hat verdeutlicht, dass es in Tirol breite Übereinstimmung darüber gibt, wie wichtig eine funktionierende Bäderinfrastruktur für Bevölkerung, Schulen und Gemeinden ist. Angesichts von 69 geschlossenen Bädern seit 2011 sowie der Tatsache, dass derzeit mit Axams nur ein konkretes Neubauprojekt in Umsetzung ist, zeigt sich aber auch: Die bestehende Fördersystematik reicht vielerorts nicht aus, um notwendige Investitionen tatsächlich realisieren zu können. „Die Veranstaltung hat eines klar gezeigt: Niemand stellt die Notwendigkeit von Schwimmbädern infrage – sehr wohl aber die Umsetzbarkeit unter den aktuellen Förderbedingungen“, erklärt FPÖ-Landtagsabgeordneter und Bürgermeister Andreas Gang. „Wenn Bürgermeister unabhängig ihrer Parteizugehörigkeit übereinstimmend auf die hohe finanzielle Belastung hinweisen, ist das ein ernstzunehmendes Signal an das Land.“ Bürgermeister Christian Härting (Telfs), Mitglied im Tiroler Gemeindeverband, betonte in der Diskussion, dass die Finanzkraft der Gemeinden bei der Vergabe stärker berücksichtigt werden müsse. Er warnte davor, dass nach wenigen größeren Projekten keine Mittel mehr für weitere Sanierungen zur Verfügung stehen könnten. Auch Bürgermeister Michael Riedhart (Wörgl) verwies auf die praktischen Schwierigkeiten: Aufgrund einer fehlenden Finanzierungszusage in Höhe von rund 30 Millionen Euro musste seine Gemeinde ein geplantes Hallenbadprojekt auf Eis legen – dies wurde in der Diskussion erneut thematisiert.
Im Bezirk Kufstein, wo es aktuell kein Regionalbad gibt, müssten Schülerinnen und Schüler teils über große Distanzen zum Schwimmunterricht gebracht werden. Der damit verbundene organisatorische Aufwand sei für Schulen, wie Familien gleichermaßen hoch. „Das ‚Schwimmenlernen‘ ist eine sicherheitsrelevante Grundkompetenz – gerade für Kinder. Wenn dafür keine regional erreichbare Infrastruktur zur Verfügung steht, wird das zu einer Frage der Chancengleichheit“, so Gang. Auch Eva Dollinger, Ex-Profischwimmerin und Funktionärin im Schul- und Leistungsschwimmen, findet die Voraussetzungen in Tirol für den Spitzensport im Schwimmen ausbaufähig und zeigt auf, dass besonders im Unterland die Umstände schwierig seien. Um eine Schulstunde Schwimmen zu ermöglichen, seien vier reguläre Schulstunden nötig. Derzeit umfasst der sogenannte Bädertopf des Landes Tirol 75 Millionen Euro. Die Förderquote für Neubauten wurde vom Bäderbeirat jüngst von 45 auf 55 Prozent angehoben. In der Diskussion wurde vereinzelt auch eine Erhöhung auf 70 Prozent angeregt. Kritische Stimmen betonten zudem, dass von den jährlich 12,5 Millionen Euro an Mitteln rund zehn Millionen aus allgemeinen Steuergeldern stammen, während der Tourismus lediglich 2,5 Millionen beisteuert. „Wir sehen, dass der Finanzierungsbedarf groß ist und die Belastung bei den Gemeinden liegt. Vor diesem Hintergrund haben wir Freiheitlichen im Tiroler Landtag einen Antrag eingebracht, der eine Verdopplung der Landesfördermittel für Schwimmbäder vorsieht“, erklärt Gang. Ziel sei es, Planbarkeit zu schaffen und kleinere sowie größere Gemeinden gleichermaßen zu entlasten. „Dieser Vorschlag soll eine sachliche Grundlage für eine gemeinsame Weiterentwicklung des Fördermodells sein.“ Abschließend hebt Gang die Notwendigkeit eines konstruktiven Miteinanders hervor: „Die Diskussion in Axams war von Sachlichkeit und Verantwortungsbewusstsein geprägt – daran möchten wir anknüpfen. Die Absicherung der Bäderinfrastruktur ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Sie gelingt nur, wenn Land, Gemeinden und Tourismus ihre Verantwortung gemeinsam wahrnehmen.“